Vor zehn Jahren haben die Brüder Michael, Stephan und Wolfgang Otto ihren Versand für Wagyu Beef gestartet. Inzwischen beliefert das Trio von Heinsberg aus fast alle deutschen 3-Sterne-Köche.
Qualität hat ihren Preis. Beim Auto ist jedem Menschen klar, dass man für mehr Geld auch ein besseres Produkt bekommt
„Einer für alle und alle für Spitzenqualität“ – so könnte das Motto von Michael, Stephan und Wolfgang Otto lauten. Die Brüder aus Heinsberg – die mit dem berühmten Versandhaus gleichen Namens nichts zu tun haben – sind so etwas wie die „Drei Musketiere“ des guten Geschmacks. Seit zehn Jahren kämpfen sie mit ihrem Versand für Kobe-Beef & Co. dafür, dass erstklassiges Fleisch in Deutschland die Wertschätzung bekommt, die es verdient. Ihr in einem umgestylten alten Fabrikgebäude untergebrachtes Unternehmen Otto Gourmet ist der exakte Gegenentwurf zum „Geiz-ist-geil“-Gedanken. „Qualität hat ihren Preis. Beim Auto ist jedem Menschen klar, dass man für mehr Geld auch ein besseres Produkt bekommt“, sagt Wolfgang Otto, das „Gesicht“ der Marke. Bei Fleisch hingegen müsse das allgemeine Bewusstsein noch weiter geschärft werden. „Unsere potenzielle Kundschaft macht vielleicht ein Prozent der deutschen Bevölkerung aus. Es sind Menschen, die den Genuss schätzen.“
Wer meint, das Trio müsse in einem Metzgerhaushalt aufgewachsen oder in der Gastronomie tätig gewesen sein, der irrt. Wolfgang Otto ist gelernter Betriebswirt, Bruder Michael gelernte Schlosser und diplomierter Luft- und Raumfahrtingenieur. Der Dritte im Bunde arbeitete früher für eine Unternehmensberatung in New York. Er, Stephan Otto, war es, der den Stein ins Rollen brachte. Während eines Grillabends probierte er erstmals ein exzellentes Wagyu-Steak aus den USA – bestellt im Internet. „Er rief mich sofort in Deutschland an und weckte mich“, erinnert sich Bruder Wolfgang. „Bei ihm waren es 22 Uhr, bei mir 4 Uhr“. Der Niederrheiner jenseits des Atlantiks kam sofort zur Sache: „Wolfgang, ich hab’s: Wir importieren Wagyu nach Europa.“ Er quittierte seinen Job im Big Apple und kehrte im Sommer 2013 nach Heinsberg zurück.
Um sich professionelle Rückendeckung zu holen, kontaktierten die Ottos den befreundeten Spitzenkoch und gelernten Metzger Stefan Marquard. Dieser organisierte ein Experten-Treffen in London. „Wir sind mit vier Kilo Wagyu im Gepäck nach England und haben es dort mit den europäischen Top-Qualitäten verglichen“, erzählt Wolfgang Otto. Marquards Fazit am Schluss: „Macht es!“ Die Otto-Brüder, damals alle Mitte 30, hörten auf ihn.
Heute beziehen rund 1.000 Restaurants ihre Produkte, darunter sind auch zehn der elf deutschen Drei-Sterne-Köche. „Dabei sehen wir uns nicht als Lieferanten, sondern als Partner“, betont Wolfgang Otto. Insgesamt genießen etwa 30.000 Privatkunden zwischen Sylt und Garmisch-Partenkirchen belgische Kalbsbäckchen, Ibérico-Bratwurst oder Kobe Wagyu Beef Burger. Die Produkte kommen unter anderem von der Morgan Ranch in Nebraska und der japanischen Präfektur Hyogo, deren Verwaltungssitz Kobe dem weltbesten Fleisch seinen Namen gab. Wie gefragt das Unternehmen ist, zeigt auch die Zahl der Veranstaltungen: Im vergangenen Jahr war Otto Gourmet auf 312 Treffen präsent. Das nächste Ziel der Brüder ist der Aufbau eines neuen Geschäftszweigs, der „Männer-Metzgerei“.

Kurzinterview mit
Wolfgang Otto
Wo ist Ihr Liebslingsort am Niederrhein?
Wolfgang Otto: Ich bin sehr gerne im Düsseldorfer Medienhafen.
Haben Sie ein Lieblingsrestaurant?
Wolfgang Otto: Zu meinen Lieblingsrestaurants gehört „Berens am Kai“. Holger Berens ist ein guter Freund von uns.
Was ist Ihr „Otto Gourmet“-Lieblingsprodukt?
Wolfgang Otto: Das Schwarzfederhuhn von Jean Claude Miéral.
FAKTEN
Mitarbeiter
rund 60
Kunden
in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Gebäude
Unternehmen seit 2009 am Standort (2700 m²)
